Februar – März 2018: Der Lesumer Passionszyklus


Donnerstag, 15. Februar – Eröffnungsveranstaltung
»Gott ist tot« –
Passion überall und zu jeder Zeit? – Spuren im Spiegel der Kunst

 

Wenn die Passion Jesu ein einmaliges, in sich abgeschlossenes Ereignis gewesen wäre, wäre die jährlich wiederkehrende Feier der Karwoche und des Osterfestes sinnlos. Aber wie kommen Maler, Filmemacher, Poeten, Komponisten zu der Überzeugung, dass damals etwas für die Zeit und immer noch Wichtiges und Bedeutungsvolles geschehen sei? Dieser Frage dient unsere Auftakt-veranstaltung zum Lesumer Passionszyklus. In der Gegenüberstellung von bildlichen Darstellungen der Passion mit theologischen Interpretationen und musikalischen Meditationen ergeben sich Spannungsbögen zwischen Antworten und Fragen, die die Menschen schon immer zu diesem Thema bewegt haben. Schließlich gab es »Passion überall und zu jeder Zeit«.


Den Bildern stehen an diesem Abend Worte Jesu am Kreuz in der Vertonung von Hans-Dieter Renken gegenüber, die eigene »musikalische Gedanken« beitragen, die die Aktualität der Passion zu jeder Zeit unterstreichen.

 

Kunsthistorische Einführung zu Passionsdarstellungen:

Dorothee von Harsdorf

 

Theologische Reflexionen:
Ute Schmidt-Theilmann und Klaus Pohlmeyer

 

Musik:
Hans-Dieter Renken – Aus »Die sieben Worte Jesu am Kreuz«

 

Es wirken mit:

Gerrit Guba (Tenor)
Julian Redlin (Bass)

Ein Solistenquartett
Ein Flötenkonsort
Jenny Westman (Gambe)


Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken


Beginn: 20.00 Uhr – Eintritt € 10,00


Sonntag, 18. Februar – Abonnementskonzert
Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736): »Stabat Mater«
Nicola Antonio Porpora (1686-1768): »De profundis«

 

Es war kein geringerer als Johann Sebastian Bach, der Pergolesis »Stabat Mater« nutzte, um mit dieser Musik den Psalm 51 zu vertonen. Zwar kennen wir Bachs Aufführungspraxis älterer Werke und seine Umarbeitun-gen zeitgenössischer Kompositionen, wir haben aber kein weiteres Beispiel außer dem vorliegenden Pergolesi-Werk, das uns Bachs Bearbeitungstechnik bei solchen Kompositionen aufzeigt, die in ihrem Ursprung von katholischer Spiritualität und Tradition geprägt sind. In der Tat gehört Pergolesis »Stabat Mater« zu den Höhepunkten katholischer Passionsmusik, die völlig anders als die Vertonungen der Leidensgeschichte in lutherischer Tradition das Passionsgeschehen betrachtet.

 

Philipp Mathmann und Antonio Giovannini haben dieses Werk häufig miteinander aufgeführt, zuletzt in der alten romanischen Abteikirche Maria Laach. Diese beiden Sänger, die in den letzten Jahren die Lesumer Kirchenmusik auf besondere Weise bereichert haben, hier zusammen zu hören, verspricht ein besonderes Erlebnis zu werden. Das Programm wird ergänzt durch ein »De Profundis« von Pergolesis Zeitgenossen Nicola Porpora.


Es wirken mit:

Philipp Mathmann (Soprano / Countertenor)

Antonio Giovannini (Alto / Countertenor)


Frauenstimmen der Capella St. Martini


Bremer Ratsmusik


Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken


Beginn: 19.00 Uhr – Eintritt: € 16,00 (14,00) und 14,00 (12,00)


Sonntag, 25. Februar – Kantatengottesdienst
1. Gottesdienst zum Passionszyklus
»Gott ist verwundbar, sterblich, tot«

Musik:
Heinrich Schütz (1585-1672): Chorsätze aus den Passionsvertonungen
Christoph Bernhard (1627-1692): »Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir«
(für Sopran, 2 Violinen und Basso Continuo)

Es wirken mit:
Heide Corßen-Pech (Sopran)
Ein Solistenquartett


Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken
Predigt: Pastorin Ute Schmidt-Theilmann

 

Beginn: 10.00 Uhr


Sonntag, 25. Februar – Lesung
»Christus kam nur bis Eboli«
Eine Passion in Zeiten des Faschismus – Lesung aus Carlo Levis berühmten Roman

 

Die Faschisten verbannen den Arzt, Schriftsteller, Maler und Politiker Carlo Levi 1935 nach Lukanien. In dem gottverlassenen Bergdorf Gagliano trifft der intellektuelle Großstädter auf eine arme, archaische und abergläubische Landbevölkerung. »Wir sind keine Christen«, sagen sie (die Bauern von Gagliano), »Christus ist nur bis Eboli gekommen«. Christ bedeutet in ihrer Ausdrucksweise Mensch; und der sprichwörtliche Satz, den ich hundertmal habe wiederholen hören, ist in ihrem Munde wohl nichts anderes als der Ausdruck eines trostlosen Minderwertigkeitskomplexes. »Wir sind keine Christen, keine Menschen, wir gelten nicht als Menschen, sondern als Tiere, als Lasttiere und noch geringer als Tiere und Koboldwesen, die doch ihr freies, teuflisches oder engelhaftes Dasein leben; denn wir müssen uns der Welt der Christen jenseits unseres Horizontes unterwerfen, ihre Last und ihren Widerspruch ertragen.« Wer ist es eigentlich, der hier leidet, der Verbannte oder die Bewohner dieses »gottverlassenen Ortes«? Oder: Wo steht heute das Kreuz von Golgatha?


Zu Abschnitten aus Carlo Levis Roman und gleichsam als kommentierender Kontrast spielen wir die Trauermetten von François Couperin (1668-1733).

Die Mitwirkenden:
Ekkehard Lampe-Steinhage (Lesung)
Klaus Pohlmeyer (überleitende Texte)
Margaret Hunter und Karin Gyllenhammar (Sopran)
Jenny Westman (Gambe)
Hans-Dieter Renken (Orgel)

Beginn: 19.00 Uhr – Eintritt: € 10,00


Sonntag, 04. März – Kantatengottesdienst
2. Gottesdienst zum Passionszyklus
»Sorge dich nicht um den morgigen Tag!«
Biblische Überlebensstrategien angesichts des Leides

Musik:
Heinrich Schütz (1585-1672): Chorsätze aus den Passionsvertonungen
Christoph Bernhard (1627-1692): »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz«
(für Sopran, 2 Violinen und Basso Continuo)

Es wirken mit:
Gabriele Lang (Sopran)
Ein Solistenquartett

Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken
Predigt: Pastorin Christine Sprenger

 

Beginn: 10.00 Uhr


Sonntag, 04. März – Abonnementskonzert
Hans-Dieter Renken (*1952):
Passion nach dem Evangelisten Lukas

 

In den vergangenen Jahren war immer mal wieder Musik von Hans-Dieter Renken in Lesum zu hören, darunter auch die Passionsvertonungen nach den Evangelisten Markus und Johannes. Was fehlte, war seine Lukas-Passion, die 1988 in der Alt-Aumunder Kirche uraufgeführt worden ist. Der Grund dafür ist, dass sie im Gegensatz zu den beiden anderen Kompositionen in Aufwand und Dauer den Rahmen eines Gottesdienstes sprengt.


Hans-Dieter Renken schrieb zur Kompositionsweise im Programmheft der Aumunder Aufführung:
»Die Lukas-Passion ist in einer Technik komponiert, die im Vergleich zu den Kompositionen der vergangenen Jahrzehnte eine bewusste Vereinfachung darstellt. Neu ist, dass die meist sehr kurzen und wieder tonal bezogenen Motive außerordentlich oft wiederholt werden. Bei diesen Wiederholungen verändert sich allmählich das musikalische Geschehen, entweder z. B. durch Hinzutreten oder Weglassen einzelner Stimmen oder durch harmonische oder rhythmische Veränderungen. Dieses Prinzip ist am konsequentesten in den Instrumentalstimmen durchgeführt, aber auch die Gesangstimmen, die ja den weiterlaufenden Text der Handlung vortragen, sind in diesem Sinne komponiert.«


Die Mitwirkenden:

Michael Lieb (Altus)
Clemens-C. Löschmann (Tenor – Evangelist)

Julian Redlin (Bass – Christusworte)


Ensemble Josquin


Instrumentalensemble mit Streichquartett, zwei Blockflöten, zwei Traversflöten und Orgel


Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken


Beginn: 19.00 Uhr – Eintritt: € 16,00 (14,00) und 14,00 (12,00)


Freitag, 09. März – Einführung
Von Bachs Matthäus-Passion 2001 zur neuen Aufführung 2018 –
Ein Rückblick auf fast 18 Jahre Kirchenmusik verbunden mit einer musikalisch-theologischen Einführung
in das zentrale Werk Johann Sebastian Bachs

 

»Zahlensymbolik und rhetorische Figuren« waren für viele der Chorsängerinnen und Chorsänger ein ganz neues Thema bei der Einstudierung der Matthäus-Passion und boten unerwartete Verstehenshilfe für die Werke Johann Sebastian Bachs, die nach der Matthäus-Passion noch folgen sollten. Die Matthäus-Passion war das erste große Oratorium, das Hans-Dieter Renken in seiner Lesumer Amtszeit zur Aufführung brachte. Die erneute Aufführung kann dann auch der Start sein für einen Rückblick auf fast 18 Jahre Kirchenmusik in Lesum, sozusagen von Bach zu Bach.


Aber natürlich wollen wir Ihnen auch die gewohnte theologisch-musikalische Einführung in das große Werk Bachs anbieten, wie immer mit vielen Musikbeispielen. Angesichts der Fülle des Stoffes bitten wir um Verständnis, wenn der Abend etwas länger dauern sollte als gewohnt. Vorsichtshalber beginnen wir deshalb auch 30 Minuten eher.


Referenten:

Hans-Dieter Renken und Klaus Pohlmeyer

 

Der für diesen Abend als Referent noch vorgesehene Malte Markert musste leider absagen.

 

Beginn: 19.30 Uhr im Gemeindezentrum – Eintritt frei


Sonntag, 11. März – Kantatengottesdienst
3. Gottesdienst zum Passionszyklus
»Mit allen über Kreuz« – Die Konsequenz eines geraden Weges
zu Joh. 2, 13-24

Musik:
Schlusschor und Choräle aus Bachs Matthäus-Passion

Mitwirkende:
Capella St. Martini

Leitung und Orgel: Hans-Dieter Renken
Predigt: Dipl. Psych. und Theol. Klaus Pohlmeyer

 

Beginn: 10.00 Uhr


Sonntag, 18. März – Abonnementskonzert
Johann Sebastian Bach (1685-1750):
Passion nach dem Evangelisten Matthäus

 

Wenn es überhaupt einen Superlativ in der musikalischen Gestaltung der Passion Jesu von Nazareth geben kann, dann gilt dieser immer wieder den Passionen Bachs, vor allem seiner Matthäus-Passion. In ihrer großangelegten Struktur will sie die Menschen zum Aufwachen und Nachdenken anregen. Das geschieht sicherlich in einer uns inzwischen fremd gewordenen Sprache, aber ansonsten ist Bach für dieses Ziel »jedes (musikalische) Mittel recht«. Dabei darf die Aufforderung zum Nachdenken nicht bei der Betrachtung des Leidens und seiner Ursachen stehenbleiben. Ziel bleibt immer die Überwindung des Karfreitags an Ostern in der Verheißung neuen Lebens.

Es wirken mit:
Phillip Mathmann (Sopran)
Michael Lieb (Alt)
Andreas Post (Tenor)
Gregor Finke (Bass)
Dávid Csizmár (Bass)


Bremer Ratsmusik, Capella St. Martini

Leitung: Hans-Dieter Renken


Beginn: 19.00 Uhr – Eintritt: € 24,00 (22,00) und 22,00 (20,00)